Neue Werke im Museum Hundertwasser


Neuaufstellung der Hundertwasser-Ausstellung

Die Hundertwasser-Ausstellung im KUNST HAUS WIEN zeigt sich nach einer Renovierung der Ausstellungsräume und einer Reorganisation des Bestandes mit vielen neuen Originalgemälden, Jugendwerken, Grafiken und Tapisserien. Die Umstrukturierung wurde nicht zuletzt notwendig, da anschließend an die Ausstellung in der Kunsthalle Bremen, die Mitte Februar 2013 zu Ende ging, auch für die Ausstellung im Belvedere („Hundertwasser, Japan und die Avantgarde“, bis 30. Juni 2013) Leihgaben aus dem KUNST HAUS WIEN zur Verfügung gestellt wurden.

Dem Besucher, der die Ausstellung im KUNST HAUS WIEN kennt, wird zuerst die neue Auswahl an Jugendwerken auffallen. Jugendwerke, die mit Bleistift, Farbstift und Wasserfarbe gefertigt sind, sind extrem lichtempfindlich und müssen nach einer längeren Ausstellungsdauer unter Lichtausschluss ruhen.

Von bemerkenswerter Zartheit und Farbfrische sind die beiden Werke JW 44 / 1 DONAU BEI KAHLENBERGERDORF und JW 46 / 3 SCHWALLENBACH VON SÜDEN, die seit ihrer Entstehung im Jahr 1944 nur dreimal ausgestellt wurden. Zu erwähnen ist dabei die Ausstellung im Jüdischen Museum in Rendsburg, in dem der größte Bestand an Frühwerken gezeigt wurde seit der Ausstellung von Hundertwassers Jugendwerk in der Graphischen Sammlung in der Albertina 1974, auf die auch die erste Katalogisierung des Jugendwerkes zurückgeht.

 

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Hundertwasser, JW 76
TERRASSENLANDSCHAFT
BEI STIEFERN, September 1945
Die Hundertwasser
Gemeinnützige Privatstiftung

Das Werk JW 76 TERRASSENLANDSCHAFT BEI STIEFERN ist in mehrfacher Hinsicht interessant, in künstlerischer Hinsicht, da die Terrassenstreifen der visuell erlebte Ursprung der Sedimentschichtenlinien und der Spirallinien sind, die in den späteren Werken wiederkehren. Zum Zweiten ist auch der biografische Aspekt interessant, denn Hundertwasser malte dieses Werk anlässlich eines Aufenthaltes in Stiefern im Haus am Kalvarienberg, einem Kinderheim, in dem Stadtkinder ihre Ferien verbrachten. Von Kriegsbeginn an über das Kriegsende hinaus fanden viele Kinder aus Deutschland und Österreich in Stiefern Schutz und Hilfe, konnten sich vom schlechten Gesundheitszustand und den psychischen Belastungen, denen sie während der Bombenangriffe ausgesetzt waren, erholen.

 

Zum ersten Mal wird im KUNST HAUS WIEN auch die nächste Etappe von Hundertwassers künstlerischer Entwicklung sichtbar, mittels jener Werke, die während seines nur drei Monate dauernden Aufenthaltes an der Akademie der bildenden Künste entstanden: JW 187 / 40 SITZENDER FRAUENAKT AUF SESSEL UND PODIUM, 1949 und JW 172 / 38 STEHENDER FRAUENAKT, 1948 zeigen in ihrer spitzwinkeligen, geradlinigen Grundstruktur und schnittmusterartigen Anlage deutlich die Lehre von Robin Christian Andersen. Es ist nicht verwunderlich, dass Hundertwasser nach diesen formalistischen Studien zur Überzeugung kam, dass die Ausbildung an der Akademie nichts Wesentliches zur Entwicklung seiner Malerei beitragen könne.

 

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Hundertwasser, 130 WENN ICH
EINE NEGERIN HÄTTE, WÜRDE
ICH SIE LIEBEN UND MALEN, 1949
Die Hundertwasser Gemeinnützige
Privatstiftung

Ein weit gereistes Werk, das an allen Stationen der Weltausstellungstournee (1975–1986) zu sehen war, kehrt nun in das KUNST HAUS WIEN zurück und verdeutlicht Hundertwassers eigenständige malerische Position der frühen 1950er-Jahre. 130 WENN ICH EINE NEGERIN HÄTTE, WÜRDE ICH SIE LIEBEN UND MALEN entstand während eines Aufenthaltes in der Steiermark, reflektiert aber die prägenden Eindrücke, die Hundertwasser während seines Aufenthaltes in Marokko und Tunesien 1951 empfing.

 

Wenige Jahre später entstand das Werk 185 I CAPELLI DELLA CITTA DIE HAARE DER STADT - DIE KIRCHEN DER STADT, das noch nie im KUNST HAUS WIEN zu sehen war. Dieses Werk zeigt beispielhaft Hundertwassers spiraloide fluidoide Linienführung der 1950er-Jahre, nachdem er 1953 das Motiv der Spirale für sich entdeckt hatte.

Ein ungewöhnliches Werk und vor der Ausstellung in Marseille 2012 noch nie ausgestellt ist 446 MENU PER LA COLOMBA - SPEISEKARTE FÜR LA COLOMBA, in Venedig 1960 entstanden, wohl der Entwurf zur Gestaltung einer Speisekarte, von dem aber nicht überliefert ist, ob er jemals realisiert wurde.

551 DIE NACHBARN I – SPIRALSONNE UND MONDHAUS entstanden 1963 in La Picaudière. Die Verbindung von Haus und Sonne beschäftigte Hundertwasser in mehreren Werken und er schreibt in seinem Werkkommentar, dass für ihn die Spirale ein Symbol für die Sonne, das Haus ein Symbol für den Mond darstellt.


Der Ausstellungsbereich der Grafik im zweiten Stock des Museums hat eine wesentliche Ergänzung erfahren. Endlich sind auch im KUNST HAUS WIEN Hundertwassers „Letzte Graphische Werke 1994–2000“ zu sehen, darunter das Grafik-Portfolio LA GIUDECCA COLORATA, 2001 erschienen und bereits in mehr als 30 Ausstellungen gezeigt, aber noch nie in Wien.

Nach den Portfolios REGENTAG - LOOK AT IT ON A RAINY DAY - JOUR DE PLUIE (1972), NANA HYAKU MIZU (1973), MIDORI NO NAMIDA (1975) und JOY OF MAN - MENSCHENFREUDE - JOIE DE L'HOMME (1988) ist das Portfolio LA GIUDECCA COLORATA nun nach drei Holzschnitt-Portfolios wieder eines mit Siebdrucken, entstanden in Venedig in Zusammenarbeit mit dem Drucker-Freund Claudio Barbato. Die Blätter des Portfolios sollte Hundertwasser nach seiner Rückkehr aus Neuseeland im Jahr 2000 signieren. Nach seinem Tod wurden die Blätter mit dem Nachlassstempel signiert.

Des Weiteren sind nun die letzten Holzschnittarbeiten Hundertwassers in der Ausstellung zu sehen.

 

Am augenfälligsten ist der Austausch der Tapisserien im zweiten Stock des Museums, haben doch die monumentalen Werke 820A DER FÜHRER, 685A WENN DU ÜBER DIE FELDER GEHST, KOMMST DU NACH GROSSWEISSENBACH und 803A PARDONNEZ-MOI MUSTAFA das Bild der Ausstellungsräume seit der Eröffnung des KUNST HAUS WIEN im Jahr 1991 geprägt.

Die Tapisserien, die nun ausgestellt sind, stammen so wie die ursprünglichen aus den Werkstätten Gobelinos Riedl in Mexiko. Der Textilkünstler Fritz Riedl hatte diese Werkstätten in den 1970er-Jahren gegründet und Weber ausgebildet. Noch heute bestehen diese Werkstätten, wenn auch unter dem Namen „The Taller Mexicano de Gobelinos“. Dort ist auch der Weber der Tapisserie 725A, Rafael Morquecho, heute noch aktiv. Auf der Website der „Taller Gobelinos“ ist seine Philosophie nachzulesen, die Hundertwassers Einschätzung über den Anteil der Weber an den Tapisserien entspricht: „Jede Tapisserie ist eine Interpretation eines Kunstwerks. In anderen Worten, die Weber sind wie Musiker, die ihre eigene Interpretation einer Symphonie oder eines Konzertes gestalten.“

 

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Hundertwasser, 133
PISSENDER KNABE MIT
WOLKENKRATZER, 1951
Die Hundertwasser
Gemeinnützige Privatstiftung

Der Gründer der Werkstätten in Mexiko, Fritz Riedl, lieh Hundertwasser im Jahr 1951 einen Webstuhl, damit der Künstler im Zuge einer Wette den Beweis erbringen konnte, dass man eine Tapisserie auch ohne Karton weben kann. Diese eigenhändig von Hundertwasser gewebte Tapisserie 133 PISSENDER KNABE MIT WOLKENKRATZER ist im KUNST HAUS WIEN – nach ausstellungsbedingter Abwesenheit – ebenfalls wieder zu sehen.

 

 

 

 




"Hundertwasser, Japan und die Avantgarde"

Von 6. März bis 30. Juni 2013 im Unteren Belvedere

Das international gefeierte Frühwerk Hundertwassers war wesentlich von japanischer Kunst und Philosophie beeinflusst. Darüber hinaus waren es Freunde aus der Pariser Avantgardeszene – darunter auch japanische Maler und Bildhauer – , die Hundertwasser in seiner Idee einer kritischen, sozial motivierten Kunst und Lebensauffassung bestärkten. Die Ausstellung vereint erstmals in Wien gezeigte Meisterwerke Hundertwassers mit Arbeiten von Shinkichi Tajiri, Akira Kito, Yves Klein, Lucio Fontana, Pierre Alechinsky, Constant, Corneille, Sam Francis und Mark Tobey, die ebenfalls erstmals unter dem Aspekt der fernöstlichen Einflüsse gemeinsam mit Hundertwasser präsentiert werden.

Details

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Hundertwasser in Tokyo mit dem
Bild Die erste Japan-Spirale
Tokyo, 1961
© Hundertwasser Archiv, 2013

2 € Ermäßigung: Mit Ihrem Ticket für das Museum Hundertwasser im KUNST HAUS WIEN erhalten Sie 2 € Ermäßigung auf ein Vollpreisticket für die Hundertwasser-Ausstellung im Belvedere. Gilt auch umgekehrt. Gültig von 6. März bis 30. Juni 2013. Nicht kombinierbar mit anderen Ermäßigungen. Keine Barablöse.

Unteres Belvedere
1030 Wien, Rennweg 6
Täglich 10–18 Uhr, Mittwoch 10–21 Uhr
www.belvedere.at



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