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Werk und Wirken

Eigenart und Bedeutung der Malerei Hundertwassers

Bild Irinaland über dem Balkan
Hundertwasser 691 Irinaland über dem Balkan, 1969
Ein wesentlicher Teil der Wirkung von Hundertwassers Malerei geht von der Farbe aus. Hundertwasser setzt die Farbe instinktiv ein, ohne nach irgendwelchen, auch selbst festgelegten Regeln etwa bestimmte Farben bestimmten Zeichen zuzuordnen. Er bevorzugt intensive, leuchtende Farben und liebt es, Komplementärfarben unmittelbar nebeneinander zu setzen – etwa zur Pointierung der Doppelbewegung der Spirale. Daneben verwendet er gerne Gold und Silber, die er als dünne Folien ins Bild einklebt.

Zwei große Motivkreise bestimmen den Inhalt von Hundertwassers Malerei: Der eine umfaßt eine Formenwelt, die Analogien zu pflanzlichem Wachstum und einer animistischen Natur repräsentiert, der andere umkreist immer wieder architekturale Chiffren, Häuser, Fenster, Giebel, Zäune, Tore. Zur Eigenart von Hundertwassers Malerei gehört es, daß sich beide Motivkreise unlöslich miteinander verbinden: Vegetative Formen wirken statisch, verfestigen sich zur Architektur, um zu dauern, während alles Gebaute organisch gewachsen erscheint, von der Natur selbst hervorgebracht. Die Häuser scheinen oft in Bergen oder Hügeln zu liegen, Zäune können wie Gras aus dem Boden sprießen, der Zwiebelturm veranschaulicht augenfällig den innigen Zusammenhang beider Bereiche.

Auch die Technik seiner Malerei ist persönlich bestimmt. Hundertwasser verwendet am liebsten selbstgeriebene oder bereitete Farben, die er unvermischt aufträgt. Ebenso präpariert er die Malgründe gern selbst, für Grundierung, Farbbereitung und Firnis hat er verschiedene eigene Rezepte entwickelt, die alle eine lange Lebensdauer seiner Bilder garantieren sollen. In vielen seiner Bilder hat er Ölfarben, Tempera und Aquarelltechnik nebeneinander verwendet, um dadurch den Kontrasteffekt matter und glänzender Bildpartien zu erreichen.

Wieland Schmied, in: Hundertwasser – KunstHausWien, Köln: Taschen Verlag, 1999.

Bild Hüte tragen
Hundertwasser, 844 HÜTE TRAGEN, 1982
Hundertwassers Farbe! Sie kennt keine Grenzen in ihrer Sinnlichkeit. Sie wird zusehends reicher, wärmer und prachtvoller. Die Grün-, Blau- und leuchtenden Violettöne verstärken das grelle Karmin-, Zinnoberrot und das Gelb und beginnen durch die aufgebrachten echten Metallfolien in Gold und Silber zu glänzen. Angesichts dieser wahrhaft luxuriösen Augenweide vergißt man leicht, daß der Maler bis 1957 kaum genug zum Überleben hatte, obwohl seine Genügsamkeit und Anspruchslosigkeit legendär waren. Allzu gern vergißt man auch, daß er auf geniale Weise aus Müll und alten Blechdosen Wunderwerke schuf. Es gab nichts, was er nicht zum Malen verwendet hätte, solange es dauerhaft war – und tatsächlich waren seine Materialien oft langlebiger als die neuesten und teuersten Materialien.

Pierre Restany, in "Happy Hundertwasser", 1976, veröffentlicht in: Hundertwasser,
New York: Parkstone Press International, 2008

Hundertwassers graphisches Werk

Grafiken Nights Homo Humus Come Va
Hundertwasser, 860 10002 NIGHTS HOMO HUMUS COME VA,
Originalgrafik 1983
Hundertwasser beherrschte und erneuerte viele graphische Techniken: Lithographie, Siebdruck, Radierung, Farbholzschnitt und andere mehr. Er war einer der ersten, der eine völlige Transparenz der Technik, der Entstehungsdaten und Auflage für jedes einzelne Blatt gefordert und eingehalten hat.

Hundertwasser hat nie wirklich hohe Auflagen von ein- und derselben Graphik geschaffen. Seine Graphikauflagen bestehen aus mehreren Farbversionen und Varianten, die nicht separat nummeriert sind, sondern durch die gesamte Auflage durchnummeriert wurden. Sein Ziel war es, lauter Unikate in der Kunst der Graphik herzustellen und damit die Maschine zu überlisten.

Hundertwasser war stets darauf bedacht, auf den graphischen Blättern selbst genaue Werkangaben zu machen, um zu einer möglichst lückenlosen Offenlegung der Techniken und Entstehungsdaten des Werkes zu gelangen.

Hundertwassers Tapisserien

Tapisserie in den Ausstellungsräumlichkeiten
© KUNST HAUS WIEN / W. Simlinger
Hundertwassers erste Tapisserie, 133 Pissender Knabe mit Wolkenkratzer, entstand 1952 aufgrund einer Wette, bei der Hundertwasser behauptet hatte, man könne eine Tapisserie auch ohne Karton, also ohne eine Vorlage in der Größe der Tapisserie, weben. Auch sämtliche nachfolgende Tapisserien entstanden ohne Karton, sie wurden jedoch von Webern hergestellt, die Hundertwasser auswählte.

Bei der Übertragung seiner Werke in eine Tapisserie ging es Hundertwasser um die freie Umsetzung eines seiner Werke in ein anderes Medium und um die künstlerische Interpretation durch die Weber, das heißt um eine Umsetzung ohne Vorlage beziehungsweise Karton. Nach Hundertwassers Auffassung konnte nur diese Vorgehensweise ohne Karton dem Werk Leben einhauchen, nur so konnte ein echtes künstlerisches Werk entstehen und nicht eine unbeseelte Kopie der Vorlage. Aus diesem Grund sind alle Hundertwasser-Tapisserien Unikate.

Hundertwassers Architektur

Bereits 1958 formulierte Hundertwasser in seinem „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur" seine Ablehnung des Rationalismus, der geraden Linie und der funktionellen Architektur.

1968 präsentierte Hundertwasser sein Manifest „Los von Loos – Gesetz für individuelle Bauveränderungen oder Architektur-Boykott-Manifest". Die in der Tradition des österreichischen Architekten Adolf Loos entstandene rationelle, sterile Architektur ist für Hundertwasser in ihrer tödlichen Eintönigkeit verantwortlich für das Elend des Menschen. Er ruft zum Boykott gegen diese Architektur auf, fordert schöpferische Baufreiheit und das Recht zur individuellen Bauveränderung.

Backside of the KUNST HAUS WIEN
In seinen seit den 70er Jahren entstandenen Modellen veranschaulichte er die Dachbewaldung, die Baummieter und das Fensterrecht und schuf neue architektonische Formen wie das Spiralhaus, das Augenschlitzhaus, das Grubenhaus oder das Terrassenhaus.
Es ging Hundertwasser um die Mehrung der Natur als Antwort auf die Zersiedelung der Landschaft:

Als Architekturdoktor machte Hundertwasser sich die Umgestaltung häßlicher, monotoner und steriler Bauten zur Aufgabe.
In zahlreichen beispielhaften Architekturprojekten, die er seit den 80er Jahren realisieren konnte, wies er einen Weg aus der Sackgasse der modernen Architektur. Seine Bauten zeugen von seinem Einsatz für Vielfalt anstelle von Monotonie, für Romantik, für das Organische und für unreglementierte Unregelmäßigkeiten, für die Spontanvegetation und für ein Leben in Harmonie mit der Natur.

Teil Fassade mit Baummieter
© KUNST HAUS WIEN / W. Simlinger
Fenster vom KUNST HAUS WIEN
© KUNST HAUS WIEN / W. Simlinger

 

 

 

 

 

 

 

Die Hundertwasser Enzyklopädie

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