Die Gestaltung des Hauses


Über das KUNST HAUS WIEN

"Das KUNST HAUS WIEN ist ein Haus der Schönheitshindernisse, wo die Schönheit die wirksamste Funktion innehat, ein Haus der nicht-reglementierten Unregelmäßigkeiten, der unebenen Fußböden, der Baummieter und der tanzenden Fenster. Es ist ein Haus, in dem man ein gutes Gewissen der Natur gegenüber hat. Es ist ein Haus, das nicht den üblichen Normen entspricht, ein Abenteuer der modernen Zeit, eine Reise in das Land der kreativen Architektur."

Hundertwasser, 1991

Die dritte Haut im dritten Bezirk

"Der Mensch ist von drei Schichten umgeben, von der Haut, von der Kleidung und von den Mauern, dem Gebäude. Die Kleidung und die Mauern der Gebäude haben in der letzten Zeit eine Entwicklung genommen, die nicht mehr den Naturbedürfnissen des einzelnen entsprechen. Die Außenwände unserer modernen Häuser sind unsere Gefängnismauern, denn sie sind anonym, emotionslos, aggressiv, herzlos, kalt und gähnend leer.
Meine unregelmäßige Gestaltung ist als Vorleistung auf das Fensterrecht jedes einzelnen zu betrachten. Die Fassade ist nicht perfekt glatt und flach, sondern buckelig und mit unregelmäßigen Mosaiken durchzogen. Schwarzweißes, unregelmäßiges Schachbrettmuster signalisiert das Auflösen des Rastersystems, das im Aufbrechen ist.
Was wir dringend benötigen, sind Schönheitshindernisse, diese Schönheitshindernisse bestehen aus unreglementierten Unregelmäßigkeiten."

Hundertwasser 1985/1991

KUNST HAUS WIEN Front KUNST HAUS WIEN Front schräg

Die Fensterdiktatur und das Fensterrecht

"Die einen behaupten, die Häuser bestehen aus Mauern. Ich sage, die Häuser bestehen aus Fenstern.
Die Repetition immer gleicher Fenster nebeneinander und übereinander wie im Rastersystem ist ein Merkmal der Konzentrationslager.
Fenster in Reih und Glied sind traurig, Fenster müssen tanzen können.
Ein Mann in einem Mietshaus muß die Möglichkeit haben, sich aus seinem Fenster zu beugen und – so weit seine Hände reichen – das Mauerwerk abzukratzen. Und es muß ihm gestattet sein, mit einem langen Pinsel – so weit er reichen kann – alles außen zu bemalen, sodass man von weitem, von der Straße sehen kann: Dort wohnt ein Mensch, der sich von seinen Nachbarn, den einquartierten versklavten Normmenschen, unterscheidet."

Hundertwasser, 1990

Fensterreihe

Baummieter sind Botschafter des freien Waldes in der Stadt

"Zehn Baummieter wachsen aus den Fenstern des KUNST HAUS WIEN. Baummieter sind weithin sichtbar und kommen vielen Menschen zugute, insbesondere den Menschen, die rundherum gehen und wohnen. Der Baummieter symbolisiert eine Wende, in der dem Baum wieder ein bedeutender Stellenwert eingeräumt wird als Partner des Menschen.
Die Beziehung Mensch – Baum muß religiöse Ausmaße annehmen.
Nur wenn du den Baum liebst wie dich selbst, wirst du überleben.
Wir ersticken in unseren Städten an Luftverpestung und Sauerstoffmangel, die Vegetation, die uns leben und atmen lässt, wird systematisch vernichtet. Wir laufen an grauen, sterilen Hausfassaden entlang.
Es ist deine Pflicht, der Vegetation mit allen Mitteln zu ihrem Recht zu verhelfen.
Die senkrechten, sterilen Wände der Häuserschluchten, unter deren Aggressivität und Tyrannei wir täglich leiden, werden zu grünen Tälern, wo der Mensch frei atmen kann.
Der Baum-Mieter zahlt seine Miete mit wahren Werten:
1. Baummieter erzeugen Sauerstoff.
2. Baummieter verbessern das Stadt- und Wohnklima beträchtlich durch Milderung der Gegensätze feucht-trocken und warm-kalt.
3. Baummieter sind eine Staubschluck- und Staubfilteranlage.
4. Baummieter sind Lärmschlucker.
5. Baummieter bilden einen teilweisen Sichtschutz und erzeugen Geborgenheit.
6. Baummieter spenden Schatten im Sommer, lassen aber Sonnenlicht im Winter durch.
7. Es kommen Schmetterlinge und Vögel.
8. So kommt die Schönheit und die Lebensfreude wieder im Zusam¬menleben mit einem Stück hauseigener Natur.
9. Ein Baummieter ist ein weithin sichtbares Symbol der Wiedergutmachung an der Natur, der ein kleines Stück Erde zurückgegeben wird von den immensen Territorien, die wir Menschen ihr widerrechtlich weggenommen und zerstört haben.
Der Baummieter ist ein Geber, er ist ein Stück Natur, ein Stück Heimat, ein Stück Spontanvegetation in der anonymen, sterilen Wüste der Stadt, ein Stück Natur, das vom Menschen und seiner Technokratie unkontrolliert und unbevormundet wachsen kann.
JEDER BAUM MEHR – EINE CHANCE MEHR."

Hundertwasser, 1991 

Baummieter im KUNST HAUS WIEN Ein Baummieter im KUNST HAUS WIEN

Alles, was waagrecht unter freiem Himmel ist, gehört der Natur

"Bisher hieß es seit biblischen Zeiten: „Machet euch die Erde untertan."
Der moderne Mensch hat diesen Gedanken mißbraucht und die Erde umgebracht.
Jetzt müssen wir uns unter die Natur begeben, was sowohl symbolisch als auch praktisch verstanden werden soll.
Wir müssen wieder Häuser bauen, wo die Natur über uns ist. Wir müssen der Natur Territorien zurückgeben, die wir ihr widerrechtlich genommen haben.
Grasdächer bringen auch ökologische, gesundheitliche und wärmetechnische Vorteile. Ein Grasdach produziert Sauerstoff und ermöglicht Leben. Es fängt Staub und Schmutz und wandelt die Erde um. Körper und Seele des Menschen fühlen sich wohl, die, die daraufschauen, sowie die, die sich darunter befinden."

Hundertwasser, 1991

Bäume am Dach des KUNST HAUS WIEN Bäume am Dach des KUNST HAUS WIEN

Der unebene Boden

"Der gerade Boden ist eine Erfindung der Architekten.
Er ist maschinengerecht und nicht menschengerecht.
Die Menschen haben nicht nur Augen, um sich an Schönem zu erfreuen, und Ohren, um Schönes zu hören, und Nasen, um Schönes zu riechen. Der Mensch hat auch einen Tastsinn für Hände und Füße.
Ein belebter, unebener Fußboden bedeutet eine Wiedergewinnung der Menschenwürde, die dem Menschen im nivellierenden Städtebau entzogen wurde.
Der unebene Wandelgang wird zur Symphonie, zur Melodie für die Füße. Er bringt den ganzen Menschen in Schwung.
Man wird gerne auf dem unebenen Boden auf und ab gehen, um sich zu erholen und um das menschliche Gleichgewicht wiederzufinden.
Architektur soll den Menschen erheben und nicht erniedrigen."

Hundertwasser, 1991

Unebener Boden im Foyer Unebener Boden in den Ausstellungsräumen

Alle Fotos © KUNST HAUS WIEN / W. Simlinger

 

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