Alles beginnt auf einer Insel und endet auf einer anderen. Dazwischen liegt das Meer – Grenze und Übergang, Trennung und Hoffnung. Renata Poljaks Einzelausstellung More, kuratiert von Basak Senova, bringt ein Werkensemble zusammen, in dem das Meer zu einer verbindenden Kraft zwischen Inseln, persönlichen und kollektiven Geschichten, Migration und Vertreibung, der ökologischen Krise und Hoffnungen für die Zukunft wird. Ausgehend von Wasser als zentralem Bezugspunkt sozialer und politischer Systeme, Menschen und ihrer Umwelt, setzt sich die Ausstellung mit den drängenden Fragen der Klimakrise, Ressourcenknappheit, Migration und Umweltgerechtigkeit auseinander.
More
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Impressionen
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Zur Ausstellung
Mit der Einzelausstellung More von Renata Poljak beginnt im Projektraum Garage des KunstHausWien der Zyklus Aqua – Water in Motion der neuen Chefkuratorin Başak Şenova. Dieser verhandelt ökologischen Fragen mit Dringlichkeit und Wertschätzung. Im Rahmen von Ausstellungen, Screenings, Residenzen und einem Public Programme verhandelt Aqua aktuelle gesellschaftliche, ökologische und kulturelle Fragen. Dabei wird Wasser nicht nur als Grundlage des Lebens verstanden, sondern auch als ein Medium, das die Verflechtungen zwischen sozialen und politischen Systemen, den Menschen und ihrer Umwelt offenbart. Zudem rückt es die Zusammenhänge zwischen Klimawandel, Ressourcenextraktion, Migration, Stadtentwicklung, Landwirtschaft und Umweltgerechtigkeit in den Vordergrund.
More zeigt ein Werkensemble, in dem das Meer Inseln, Leben, ökologische Katastrophen und Hoffnungen für die Zukunft miteinander verbindet. Darin verknüpft Poljak ihre persönliche Geschichte des Aufbruchs mit umfassenderen Geschichten von Migration und Vertreibung.
Den Ausgangspunkt der Ausstellung bildet die Neonskulptur more, more, more. Der Titel ist ein Wortspiel: „More“ ist das kroatische Wort für „Meer“, aber auch für „Last“ und steht hier zudem für das englische Wort für „mehr“. Durch die eindringliche Wiederholung wird das Meer sowohl als Symbol des Aufbruchs als auch der Sehnsucht nach etwas jenseits des Bestehenden evoziert: nach einem lebenswerteren Ort, nach einem besseren Leben. Poljaks Urgroßvater ging auf der Suche nach Arbeit nach Chile, getrieben von der Dürre auf seiner Heimatinsel Brač und der daraus resultierenden Unfruchtbarkeit und Not. Ihre Urgroßmutter blieb auf der kroatischen Insel zurück, wo sie auf ihren Ehemann wartete, der – wie viele der Männer, die fortgingen – nie zurückkehrte.
Diese Spannung zwischen Aufbruch und Warten, zwischen Verlust und Hoffnung findet sich auch in Poljaks Filmen. In Partenza (2016) verbindet sie die Geschichte der Migration von den kroatischen Inseln zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit heutigen Flucht- und Migrationsbewegungen über das Meer. Das Wort „partenza“ bedeutet auf Italienisch „Aufbruch“ und wird auch in den kroatischen Insel- und Küstendialekten verwendet.
In Yet Another Departure (2018) trifft persönliche Erinnerung auf politische Geschichte: Seit einem Jahrhundert blickt eine Frau auf das Meer und wartet auf ihren Ehemann. Im Laufe der Jahre hat sie fünf verschiedene politische Regime erlebt, ohne sich weit von ihrem Geburtsort entfernt zu haben. Während dieser Zeit wird im Jahr 2016 die Vis, das ehemalige Kommandoschiff der jugoslawischen Armee, absichtlich versenkt, um als touristische Tauchattraktion zu dienen. Seitdem liegt es in der Adria am Meeresgrund, ganz in der Nähe des Brijuni-Archipels, wo 1956 wiederum jenes Treffen stattfand, das den Grundstein für die Bewegung der Blockfreien Staaten legte.
Der Film Porvenir (2020) führt die Betrachter*innen nach Feuerland. Die chilenische Siedlung Porvenir – spanisch für „Zukunft“ – wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts von kroatischen Einwander*innen gegründet. Getrieben von Armut, Hunger und Krieg überquerten damals viele Kroat*innen das Meer in der Hoffnung auf ein besseres Leben.
In einer geschützten Ecke der Ausstellung setzen schließlich vier Fotocollagen aus der Serie Partenza (2016–2026) die Erzählung von Porvenir fort und führen diesen Werkkomplex über unterschiedliche Geschichten, Geografien und Generationen hinweg weiter.
Begleitend zur Ausstellung findet am 1. März 2027 ein Gespräch zwischen der Künstlerin Renata Poljak, der Kuratorin Başak Şenova sowie Branko Franceschi, dem Direktor des Nationalmuseums für Moderne Kunst in Zagreb und langjährigem Wegbegleiter von Poljak und Şenova, statt.
Biografie
Renata Poljak ist eine kroatische bildende Künstlerin und Filmemacherin. Ihre künstlerische Praxis umfasst Film, Video, Fotografie, Installation, Zeichnung und Neon. In ihren Arbeiten verbindet sie häufig dokumentarisches Material mit inszenierten und fiktionalen Elementen. Im Zentrum stehen dabei Themen wie Erinnerung, Migration und Vertreibung sowie die
sozialen Folgen von Kriegen, sozialen und politischen Umbrüchen und Transformationen, insbesondere im ehemaligen Jugoslawien.
Poljak studierte zunächst an der Kunstakademie in Split, setzte ihre Ausbildung an der École Régionale des Beaux-Arts in Nantes fort und schloss anschließend ein Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Zagreb ab. Sie nahm an verschiedenen internationalen Residenzprogrammen teil, u. a. am San Francisco Art Institute, im MuseumsQuartier Wien, bei Art in General in New York, an der Cité internationale des arts in Paris und an der Skowhegan School of Painting & Sculpture. Sie lebt und arbeitet in Zagreb.
Kuratorin
Die Ausstellung und das Public Programme werden von Başak Şenova kuratiert.