Annie Leibovitz. Photographs 1970-1990

Annie Leibovitz hat in ihren Fotografien einen einzigartigen und faszinierenden Stil entwickelt, der durch ihre Arbeit mit Printmedien entstanden ist. Von ihren ersten Schwarz-Weiß Aufnahmen für das Pop-Magazin „Rolling Stone“ in den Siebziger Jahren bis zu den Farbtiteln für die Lifestyle-Zeitschrift „Vanity Fair“  in den Achtzigern haben ihre Arbeiten das Bild der amerikanischen Pop-Kultur maßgeblich mitgeprägt.

Annie Leibovitz sieht das spontan aufgenommene Familienfoto als eine der wichtigsten Quellen ihrer Inspiration. Es ist die Mischung von Intimität und Schlichtheit solcher Schnappschüsse, die sie reizt: Personen werden in einer passenden Umgebung auf enthüllende und doch vertraute Weise fotografiert. Gerade diese Merkmale sind es, die ein typisches Leibovitz Portrait auszeichnen.

Ihre Bilder sind weder naiv, noch zufällig. Vielmehr sind sie Inszenierungen, eher dem Film verwandt als dem schnellen Schnappschuss. Annie Leibovitz ist berühmt für ihr Geschick als Regisseurin, die ihre „Objekte“ mit viel Einfühlungsvermögen dazu ermutigt, ihren Ideen zu folgen. Sie nutzt ihren Sinn fürs Theatralische, schafft verspielte und optimistische Portraits und nutzt als Balance eine zarte Ironie, mit der sie ihrer Skepsis Ausdruck verleiht.  In allen Bildern spüren wir das Wechselspiel zwischen Annie Leibovitz und den Fotografierten. Dieses Zusammenwirken lässt beides entstehen – Verständnis und Vertrautheit.

Die ungewöhnliche Wirkung ihrer Arbeit reflektiert die Berühmtheit der Portraitierten, ist aber auch von deren Bekanntheit anhängig. Gleichgültig ob eine Fotografie von Annie Leibovitz als respektlose Anspielung auf die Prominenz oder als überraschen poetische Huldigung einer Person des öffentlichen Lebens inszeniert wurde: die unmittelbare Wirkung auf dessen Image und Ansehen.

Im Laufe ihrer künstlerischen Entwicklung wandelte sich Annie Leibovitz von einer Prominenten-Fotografien zur prominenten Persönlichkeit selbst. Annie Leibovitz ist heute einer der erfolgreichsten und am meisten publizierten Künstlerinnen. Sie hat es verstanden, die Welt der Werbung zu nutzen, um einige der eindrücklichsten Portraits  der amerikanischen Pop-Kultur zu schaffen. Es sind dies Arbeiten, die weit über den vergänglichen Nutzen für Magazine und Werbezwecke hinaus Bestand haben werden.