Jean Tinguely. Nachtschattengewächse

Mit Jean Tinguley stellt das KunstHausWien einen der wichtigsten und populärsten Vertreter einer künstlerischen Entwicklung der Moderne vor, die auf eine Erweiterung des traditionellen Kunstbegriffs abzielte: An die Stelle der klassischen “statischen” Gattungen Malerei und Plastik treten Experimente mit beweglichen Objekten und kunstfremden Materialien.

Jean Tinguelys Maschinen-Plastiken, von Motoren angetrieben, begrüßen den Besucher mit dissonantem Lärm, mit Quietschen, Rattern, Rasseln, Pfeifen, Ächzen... Sie sind aus Gerümpel, Blech und ausgedienten Maschinenteilen, Abfallprodukten unserer modernen Industriegesellschaft angefertigt, kombiniert hin und wieder mit eher nostalgisch anmutenden Attributen vom Trödel. Spielerisch ironisieren sie jeden übertriebenen Perfektionismus und das Konsumverhalten unserer Überflussgesellschaft.

“Schönheit” entsteht bei Tinguely aus der Kombination des Hässlichen, denn seine Maschinen werden nicht auf Hochglanz poliert; sie funktionieren trotz ihres anachronistisch unfunktionalen Aussehens und der Schäbigkeit der Einzelteile und werden damit zur doppelten Parodie auf eine hochtechnisierte Umwelt: Sie sind nicht nur nutzlose “reine Kunstproduukte”, sondern karikieren gleichzeitig einen gängigen Schönheitsbegriff, der ein hochglänzendes, glattes Äußeres unabdingbar voraussetzt. Durch den spielerischen Umgang mit der Maschine versucht Tinguely darüber hinaus eine befreiende Wirkung zu erreichen und den Betrachter zum aktiven Gegenüber zu motivieren.

Die Ausstellung zeigt überwiegend frühe Arbeiten des Künstlers und einige, die speziell für diesen Anlass und auf  die Raumsituation hin konzipiert wurden.