John De Andrea. Skulpturen

Das KunstHausWien zeigt im Sommer 1994 eine umfassende Ausstellung von Skulpturen des bekannten amerikanischen Bildhauers John De Andrea. Diese Retrospektive gibt dem europäischen Ausstellungsbesucher erstmals die Gelegenheit zu einem “first-hand” Einblick in das Gesamtwerk von Amerikas wichtigstem Hyperrealisten.

Die Ausstellung läuft vom 11. Mai bis 28. August 1994 im KunstHausWien und repräsentiert ungefähr ein Drittel des Gesamtwerkes John De Andreas. Der Kurator der Ausstellung, Dr. Martin H. Bush, New York, hat für das Museum über 40 der lebensechten Skulpturen nach Wien geholt, Leihgaben sowohl aus Museums- als auch aus Privatsammlungen in der ganzen Welt.

John De Andrea, einer der ungewöhnlichsten Bildhauer unserer Zeit, war vor zwanzig Jahren über Nacht berühmt geworden, als seine Arbeiten das erste Mal in New York zu sehen waren. Er stellte 1970 im New Yorker Whitney Museum und 1971 auf der Pariser Biennale aus, ein Jahr später verzeichneten seine Skulpturen bei der Documenta V in Kassel Besucherrekorde.

John De Andrea und Duane Hanson sind die beiden Hauptrepräsentanten des Amerikanischen Hyperrealismus in der Bildhauerei. Ihre Trompe-l'œil-Darstellungen echter Vorbilder erregen ungeheures Aufsehen, wo immer sie ausgestellt sind. Dem Photorealismus in der Malerei stellt De Andrea seinen bildhauerischen Naturalismus gegenüber: Lebensechte Nacktheit - schockierend realistisch und ehrlich, bis heute unübertroffen in ihrer berührenden Intensität.

Hat der Betrachter einmal den ersten Schock der Begegnung mit dem Werk De Andreas überstanden, ist er fasziniert von der technischen Virtuosität der Skulpturen und fragt sich, wie diese Perfektion möglich ist. Die Wahrheit ist, dass es sich um einen zermürbend langsamen Arbeitsprozess handelt, in dem Monate vergehen, bevor eine Skulptur vollendet ist. Selten kann De Andrea mehr als 3 oder 4 Skulpturen im Jahr schaffen. De Andrea arbeitet im Allgemeinen mit professionellen Modellen, manchmal aber auch mit Freunden und Bekannten.

„Ich habe erlebt, dass Menschen auf meine Skulpturen wie auf Personen reagiert haben, sogar, dass sie sich in sie verliebten!“

Obwohl seine Werke Meisterstücke sind, ist De Andrea nie wirklich zufrieden mit ihnen: “Ich werde ihnen nicht gerecht”, unterstreicht er, “sie sind so weit weg von der Wirklichkeit. Ich könnte so viel mehr mit Ihnen machen...“

John De Andrea: „ Ich hoffe, dass diese Wiener Ausstellung etwas von dem zauber, der Harmonie und Poesie vermitteln kann, von der inneren Ruhe, die von meinen Skulpturen ausgeht. Ich habe versucht, Poesie sichtbar zu machen, und wünsche mir, dass dies auch für den Betrachter wahrnehmbar wird.“