Kontroversen. Justiz, Ethik und Fotografie

Sämtliche der rund 100 Fotos dieser Ausstellung waren Gegenstand von Kontroversen – teils gesellschaftlich-medialer, teils rechtlicher Art.
Unter den gezeigten Bildern fanden sich zahlreiche weltberühmte Aufnahmen, darunter Arbeiten von Fotografen wie Man Ray, Robert Capa, Lewis Carroll, Henri Cartier-Bresson, Oliviero Toscani, Richard Avedon, Robert Mapplethorpe oder Todd Maisel.

Gerichtliche, ethische und politische Kontroversen begleiten die gesamte Geschichte der Fotografie seit ihrer Erfindung im Jahre 1839. Die Regeln, die heute für journalistische und künstlerische Bilder gelten – oder eben nicht gelten – sind Ergebnisse dieser Konflikte und Diskussionen. Dennoch werden sie immer wieder von neuem hinterfragt. Die Ausstellung KONTROVERSEN. JUSTIZ, ETHIK UND FOTOGRAFIE dokumentierte diese spannungsgeladene Historie durch zahlreiche Fallbeispiele. Dem Ausstellungsbesucher wurde die Möglichkeit geboten, sich selbst ein Bild zu machen – denn der Mittelweg zwischen vorauseilender Zensur und kompromissloser Verteidigung der Meinungsfreiheit ist zwangsläufig das Ergebnis einer schwierigen subjektiven Entscheidung.

Die Schau lenkte den Blick auf Arbeiten, die Grenzen überschritten oder neu definiert haben und damit nicht nur über das Medium Fotografie, sondern vor allem über Zeit, Gesellschaft und Justizentscheidungen Aufschluss geben, kurz: Sie fokussierte auf große, aber oft auch problematische Momente der Fotografie. Fotos werden seit Lewis Hines "Baumwollpflückerin in Texas" (1912) erfolgreich als Mittel zum Schutz der Bedürftigsten eingesetzt, Fotos können aber auch selbst zum Teil einer zynischen Informationsgesellschaft werden, wenn Fotografen z.B. wegen einer Aufnahme in den Verdacht unterlassener Hilfeleistung geraten.

Mit "Der fallende Soldat" (1936) lieferte Robert Capa die weltweit erste Aufnahme des Sterbens, Todd Maisels Bild "Die Hand, 11. September" erschien trotz der Übereinkunft von TV- und Printmedien im Zusammenhang mit 9/11 keine Bilder von Leichen zu zeigen. Bis in die Gegenwart hinein werden so die Grenzen gesellschaftlicher Tabuzonen verfolgt.

 

 

Auch Fotograf Oliverio Toscani besuchte das KUNST HAUS WIEN anlässlich einer Podiumsdiskussion zum Thema "Was darf Fotografie". Weitere Teilnehmer waren:

• Peter Vitouch, Professor für Medienpsychologie, Universität Wien
• Gerald Ganzger, Rechtsanwalt, Partner bei LANSKY, GANZGER + partner
• Bettina Gneisz-Al-Ani, Leiterin Unternehmenskommunikation und Public Affairs OMV AG
• Franz Patay, Direktor KUNST HAUS WIEN
• Andreas Hirsch, Co-Kurator KONTROVERSEN, Kurator KUNST HAUS WIEN