Bénédicte Kurzen

LAKE CHAD CHRONICLES

Als einzigartiger Süßwassersee inmitten der trockenen Sahara ist der Tschadsee seit Jahrtausenden eine Quelle des Lebens und des Wohlstands. In den vergangenen Jahrzehnten ist der Wasserstand allerdings um bis zu achtzig Prozent zurückgegangen. Heute zeigen sich die an den Tschadsee angrenzenden Teile von Niger, Nigeria, Tschad und Kamerun als eine von ideologischen und politischen Konflikten gebeutelte Region. Die Fotografin Bénédicte Kurzen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Machtverhältnissen in postkolonialen afrikanischen Staaten, die durch Konflikte und massive sozioökonomische Umwälzungen gekennzeichnet sind. Die Serie Lake Chad Chronicles (2016–2018) ist ein Langzeitprojekt, in dem sich Kurzen der Landschaft, Kultur und Gesellschaft dieser Gegend widmet. Von der dokumentarischen Fotografie kommend, geht Bénédicte Kurzen hier weit über diese hinaus: In farbintensiven Bildern von Alltagsszenen und Landschaften, in Stillleben und Porträts sucht sie mehr ein Gefühl für die Region zu vermitteln als Konkretes oder gar Objektives zu berichten. Die Ausschnitte und Blickwinkel, die Kurzen dafür wählt, betonen das je Subjektive als Mosaikstein eines größeren Ganzen.

Bénédicte Kurzen, geboren 1980, lebt derzeit in Lissabon, Portugal.


Region Tschadsee

Der Tschadsee war einst das wichtigste Wasserreservoir in der Sahelzone und damit für die 30 Millionen Menschen in den vier angrenzenden Ländern Tschad, Kamerun, Niger und Nigeria. Der See ist sehr seicht und die Küstenlinie verändert sich bei Schwankungen des Wasserstandes rasant. Der Klimawandel verstärkt die Dynamik bestehender Konflikte und birgt neue Risiken. Laut UN-Umweltprogramm (UNEP) und der Tschadseebecken-Kommission (LCBC) sind neben den klimatischen Veränderungen die Wasserentnahme aus dem See und den Hauptzuflüssen Chari und Logone für landwirtschaftliche Bewässerung sowie Staudammprojekte die Hauptursachen für die Austrocknung des Sees. Einst direkt am Ufer gelegene Fischerdörfer sind nun zwanzig Kilometer vom Wasser entfernt. Das Austrocknen des Sees hat zur Verlagerung von besiedelten Gebieten und Weideflächen geführt, verbunden mit nationalen, kulturellen und sozialen Konflikten im Kampf um die knappen Ressourcen und die Kontrolle des Wassers.
Quellen
  • Ahmad Salkida, Africa’s vanishing Lake Chad. Action needed to counter an “ecological catastrophe”, Africa Reneval 4/2012 (United Nations magazine).
  • adelphi research (Hg.), Shoring up stability: Addressing climate and fragility risks in the Lake Chad region, Report, 15.05.2019.

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