Grete

(indumentum rubrum quaero)

Margarete ´Grete´ Schütte-Lihotzky (1897–2000) war eine Wiener Architektin und Kommunistin, die in ihren Entwürfen die Vorstellungen von Gleichheit und Effizienz verwirklichte. 1916 war sie die erste Studentin überhaupt an der heutigen Universität für Angewandte Kunst und schloss sich später anderen ArchitektInnen an, um leistbare und behagliche Wohnungen für die Arbeiterklasse zu entwerfen und trug damit dazu bei, was das Rote Wien ausmachte. 1926 arbeitete sie in Frankfurt an einem ähnlichen Projekt und entwarf dort die berühmte Frankfurter Küche. Mit einem Eisenbahn-Speisewagen als Vorbild bot ihr Entwurf im kleinstmöglichen Raum ein Maximum an Komfort und Effizienz. Als die Politik in Deutschland und Österreich immer mehr nach rechts abdriftete, ging Grete mit der „May-Brigade“ in die UdSSR und war dort an der Gestaltung von 20 Städten beteiligt. Sie blieb bis zu Stalins großer Säuberung 1937 in der UdSSR und nahm dann einen Lehrauftrag in Istanbul an. Während sie dort – einem sicheren Hafen für einige Linke und Jüdinnen und Juden – lebte, wurde sie Mitglied der Österreichischen Kommunistischen Partei und meldete sich freiwillig, in das nationalsozialistische Wien zurückzukehren und Kontakt mit dem Widerstand zu knüpfen. Grete und weitere Mitglieder der Gruppe wurden verraten und sie verbrachte die Jahre 1941 bis 1945 in einem deutschen Gefängnis. Nach dem Krieg bekam sie keine öffentlichen Aufträge, obwohl das zerbombte Wien großen Wohnungsbedarf hatte, und arbeitete stattdessen als Konsulentin in Kuba, China und der DDR. In ihrer Heimat bekam sie für ihre Widerstandstätigkeit erst in den späten 1970er Jahren Anerkennung, und als Architektin von der Stadt Wien in den 1980ern, allerdings lehnte sie es 1988 ab, einen Preis von Präsident Waldheim anzunehmen, der ehemaliger Nazi war. Als der Bürgermeister der Stadt sie zu ihrem 100. Geburtstag besuchte und fragte, was sie sich zum 101. wünsche, sagte sie: Ein rotes Kleid.


Margarete ´Grete´ Schütte-Lihotzky (1897–2000) was a Viennese architect and Communist who put the ideas of equality and efficiency into her designs. She was, in 1916, the first-ever female student at what is now the University of Applied Arts in Vienna and then joined with other architects to design affordable, comfortable housing for the working class in what became Red Vienna. In 1926 she worked on a similar project in Frankfurt and there designed the famous Frankfurt Kitchen. Using a railroad dining car as a model, she achieved a design with maximum comfort and efficiency in a minimum of space. As politics in Germany and Austria moved to the right, Grete became part of the “May Brigade” and was credited with co-creating 20 cities in the USSR. She stayed there until the period of Stalin’s Great Purge in 1937 and then got a teaching job in Istanbul. While living there – a haven for some Leftists and Jews – and having joined the Austrian Communist Party, she volunteered to return to Nazi Vienna to make contact with the Resistance. Grete and others were betrayed and she spent the years from 1941–5 in a German prison. After the War she could not get any public commissions despite the fact that bombed Vienna was in great need of housing, and worked as a consultant in Cuba, China, and the GDR. Domestic recognition only came in the late 1970s for her Resistance work and, in the 1980s, as an architect, from the City of Vienna, but in 1988 she refused to accept an award from the ex-Nazi President Waldheim. When the mayor of the city visited her on her 100th birthday and asked what she would like for her 101st, she told him, “a red dress.”


Ines Doujak. Landschaftsmalerei

28.05.-03.10.21

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