Sara

(tota mea vita certamen erat)

Sakine ´Sara´ Cansız (1958–2013) war eine der GründerInnen der PKK, der Arbeiterpartei Kurdistans, und wurde im Januar 2013 in Paris gemeinsam mit Fidan ´Rojbin´ Doğan und Leyla Şaylemez von Agenten des türkischen Staates gezielt ermordet. Als ihr politisches Bewusstsein erwachte, riss sie Regierungsposter ab, und später, als sie kurze Zeit mit ihrem Vater in Deutschland lebte, wurde ihr ihre kurdische Identität bewusst, die der türkische Staat damals wie heute gerne „verschwinden“ sähe. Zurück in der Türkei schloss sie sich mit anderen Frauen zusammen und bildete eine revolutionäre Gruppe. Sie verließ ihr Zuhause und arbeitete in Izmir in einer Fabrik, wo sie einen Streik anführte und die repressive Macht von Kapital und Staat erlebte. Sie war die erste weibliche PKK-Führungskraft, bevor sie nach dem türkischen Militärcoup 1980 verhaftet wurde und mehr als zehn Jahre im Gefängnis von Diyarbakir verbrachte, wo zwischen 1984 und 1989 34 Gefangene an den Folgen der Folter starben. Nach ihrer Entlassung organisierte sie in PKK-Lagern im Libanon und im Irak militärische Frauenkader. Um sich zivilen Angelegenheiten zu widmen, und wegen Spaltungen in der PKK, wo sie ihre Meinung, insbesondere bei Frauenfragen, vehement vertrat, wurde sie nach Europa geschickt. Sie forderte völlige Geschlechtergleichheit, die heute ein zentraler Grundsatz der PKK ist, und ihre Memoiren haben entscheidend zu dieser Entwicklung beigetragen. Ihre Ermordung wurde nie offiziell aufgeklärt. Die Indizien weisen jedoch in Richtung des türkischen Geheimdienstes. Zudem ereignete sie sich zu einem Zeitpunkt, als vorläufige Friedensgespräche zwischen der Türkei und der PKK stattfanden, die allerdings die dunklen Kräfte im türkischen Staat ablehnten, die nie die Macht eingebüßt haben.


Sakine ´Sara´ Cansız was a co-founder of the PKK, the Kurdistan Workers’ Party, and was killed in Paris in January 2013 by agents of the Turkish state in a targeted assassination, along with Fidan ´Rojbin´ Doğan and Leyla Şaylemez. Her first political action consisted of pulling down government posters, and, while living in Germany with her father for a brief period, she became conscious of her Kurdish identity which the Turkish state would like to see “disappear” then as now. Back in Turkey she joined with other women to form a revolutionary group. She left home and worked in a factory in Izmir, leading a strike and experiencing the repressive powers of capital and the state. She was the first senior female PKK member before being arrested after the Turkish military coup of 1980; she was kept in Diyarbakir prison, where 34 prisoners died of torture between 1984–9, for more than ten years. After her release she organised women’s military squads in PKK camps in Lebanon and Iraq before being sent to Europe to deal with civilian affairs, but also because of divisions in the PKK where she spoke her mind, especially on women’s issues. She was demanding total gender equality, which is now a central tenet of the PKK, and her own memoir was influential in this development. Her assassination has never been “solved” officially, but the evidence points to the Turkish intelligence service as it took place at a time when there were tentative peace talks between Turkey and the PKK which were opposed by those dark forces in the Turkish state that have never lost power.


Ines Doujak. Landschaftsmalerei

28.05.-03.10.21

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