Ursula

(pro alternatione structurae politicae)

Ursula Le Guin (1929–2018) war eine sozialistische feministische Autorin, die sich die populären und meist männlich dominierten Genres Science-Fiction und Fantasy aneignete und auch vier Essaysammlungen, Gedichte, Übersetzungen und Kinderbücher veröffentlichte. Sie untergrub die Genres, indem sie in ihrer Erdsee-Fantasy-Serie ProtagonistInnen mit brauner Haut einführte und Science-Fiction dazu benutzte, alternative politische Strukturen zu erkunden, was notwendig ist, um über ein unerbittliches Gegebenes hinauszusehen. Ursula Le Guin betrachtete das als Aufgabe von AutorInnen, ebenso wie unsere angsterfüllte Gesellschaft und ihre obsessiven Technologien zu durchschauen. Das gelang ihr über eine 60 Jahre währende Karriere hinweg, und in der Praxis nahm sie in späteren Jahren eine klare Haltung gegen die Konzernkontrolle von Google und Amazon über das Verlagswesen ein. Ihr Roman Winterplanet (The Left Hand of Darkness), der vor 50 Jahren erschien, ist absolut zeitgemäß, insofern sie auf einem fiktionalen Planeten, auf dem Menschen kein festgelegtes Geschlecht haben, Fragen von Geschlecht und Sexualität verhandelt. Sie verfolgte dieses Thema weiter und wurde als übergriffig sexuell und moralisch mutig beschrieben. Noch beeindruckender ist ihr Bruch von konventionellen Genregrenzen und wie sehr sie bereit war, die Vieldeutigkeit und Widersprüchlichkeit dieser alternativen politischen Strukturen zu erkunden, wie etwa in Die Enteigneten (The Dispossessed), um sie sich aktiv vorzustellen.


Ursula Le Guin who died in 2018 was a socialist feminist writer who took the popular and usually male genres of science fiction and fantasy and made them her own as well as publishing four books of essays, poetry, translations, and children’s books. She subverted genre by introducing brown-skinned protagonists in her Earthsea fantasy and using science fiction to explore alternative political structures without which it is impossible to see beyond a relentless What Is. She saw it as the job of writers to do this and to see through our fear-stricken society and its obsessive technologies. This she did over a 60-year career and in practice in later years took a strong stand against Google and Amazon’s corporate grip on publishing. Her novel The Left Hand of Darkness from 50 years ago is absolutely for our own time as she explores issues of gender and sexuality on a fictional planet where humans have no fixed sex. She continued to follow this theme and has been described as transgressively sexual and morally courageous. What is even more impressive is how she challenged the conventional boundaries of genre and her willingness to investigate the ambiguities and contradictions of those alternative political structures, as in The Dispossessed, to actively imagine them.


Ines Doujak. Landschaftsmalerei

28.05.-03.10.21

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