Nach uns die Sintflut

Digitaler Blick in die Ausstellung

Nach uns die Sintflut benennt eine Haltung, die sich gleichgültig gegenüber zukünftigen Entwicklungen zeigt, auch gegenüber den negativen Konsequenzen des eigenen Verhaltens für nachfolgende Generationen. Karl Marx erkannte darin die Maxime des Kapitalismus: „Après moi le déluge! [Nach mir, die Sintflut!] ist der Wahlruf jedes Kapitalisten und jeder Kapitalistennation“, schreibt er 1867 in Das Kapital. Der Ausspruch erscheint aber auch als treffende Gegenwartsdiagnose angesichts der profitgetriebenen Ausbeutung unseres Planeten und der Gleichgültigkeit gegenüber der faktischen, von Menschen verursachten Umweltzerstörung. Die Ausstellung rückt die globale Klimakrise in den Fokus und führt die Dringlichkeit zu handeln deutlich vor Augen. Denn neben internationalen Wissenschafts- und Umweltorganisationen sowie gesellschaftspolitischen Bewegungen wie Fridays for Future ist auch Kunst Teil einer globalen Allianz für eine gerechte, ressourcen- und klimaschonende Wirtschaftsform und einen nachhaltigen Lebensstil. Die zwanzig ausgestellten Positionen zeigen negative Auswirkungen des grenzenlosen kapitalistischen Wirtschaftens für Mensch und Natur auf und verdeutlichen die systemischen Zusammenhänge innerhalb des globalen Ökosystems.

KünstlerInnen

Benoit Aquin, Ursula Biemann, Axel Braun, Solmaz Daryani, Verena Dengler, Michael Goldgruber, Justin Brice Guariglia, Stephan Huber, Genoveva Kriechbaum, Anouk Kruithof, Bénédicte Kurzen, Douglas Mandry, Benedikt Partenheimer, Sarker Protick, Gabriele Rothemann, Anastasia Samoylova, Christina Seely, Nicole Six & Paul Petritsch, Frank Thiel, Angela Tiatia

Kutatorinnen

Sophie Haslinger und Verena Kaspar-Eisert


  • Katalog zur Ausstellung

    Nach uns die Sintflut

    Mit einer Präsentation aller ausgestellten Fotografien und Videoarbeiten sowie umfassenden Hintergrundwissen zu den KünsterInnen und Werken bietet der Katalog zu Nach uns die Sintflut einen breiten Überblick in die Ausstellung.
    Mehr
  • Justin Brice Guariglia

    The End

    The Ende ist eine Arbeit von Künstler Justin Brice Guariglia, die in Zusammenarbeit mit der NASA‑Mission Oceans Melting Greenland entstand und Luftaufnahmen der arktischen Eisflächen in veränderter Form zeigt.
    Mehr
  • Ursula Biemann

    Deep Weather

    In ihrem Video-Essay Deep Weather (2013) zeigt Ursula Biemann, welche Auswirkungen die unablässige Suche nach fossilen Brennstoffen auf weit entfernte Regionen der Erde und deren Bevölkerung hat: Sie macht den Zusammenhang zwischen den Verwüstungen der Teersandförderung in Kanada und den mit dem Anstieg des Meeresspiegels einhergehenden Problemen der Bewohner*innen des tief gelegenen Bangladesch sinnfällig.
    Mehr
  • Benedikt Partenheimer

    Memories of the Future

    Für die Serie Memories of the Future (2017) reiste Benedikt Partenheimer nach Alaska, um die Auswirkungen der Klimaerwärmung auf Permafrostböden fotografisch zu studieren. Die beiden Bilder Methane Experiment zeigen Flammen, die der Künstler an einer Methangasblase entzündete, die sich unter dem Eis eines zugefrorenen Sees gebildet hatte.
    Mehr
  • Gabriele Rothemann

    MINIATUREN ÜBER DAS VERSCHWINDEN

    Die Künstlerin Gabriele Rothemann reiste im Herbst 2019 nach Island zum Sólheimajökull, eine Gletscherzunge im Süden des Inselstaats und fotografierte dort die nahezu monochrom erscheinende Landschaft.
    Mehr
  • Verena Dengler

    Dr. Envy Nordpol besucht das nördlichste Sushi-Restaurant der Welt

    Jedes Jahr zieht es Menschen aus der ganzen Welt in das arktische Spitzbergen, getrieben von der Sehnsucht nach Gletschern, Fjorden, Eisbären und Polarlichtern. Im Sommer 2018 unternahm auch Verena Dengler eine Reise zu der nördlich des Polarkreises gelegenen Inselgruppe.
    Mehr
  • Frank Thiel

    Perito Moreno

    Frank Thiels fotografisches Werk Perito Moreno (2012–2013) kennzeichnet ein inhaltliches und ästhetisches Interesse an Strukturen und Architekturen, die kulturell geprägt und mit Bedeutung aufgeladen sind. Mit diesen Aufnahmen hat Thiel den Gletschern des argentinischen Teils des Südpatagonischen Eisfeldes ein fotografisches Denkmal gesetzt.
    Mehr
  • Anouk Kruithof

    Ice Cry Baby

    Ice Cry Baby (2017) ist eine Found-Footage-Collage, zusammengesetzt aus YouTube-Videos von kalbenden und schmelzenden Gletschern, die von TouristInnen aufgenommen und auf dem Videokanal geteilt wurden. Das Spektakuläre des Vorgangs und die Lust, etwas Sensationelles zu teilen, stehen dabei im Vordergrund.
    Mehr
  • Anastasia Samoylova

    FLOODZONE

    In ihrer künstlerischen Praxis bewegt sich Anastasia Samoylova zwischen Beobachtungsfotografie, Atelierpraxis und Installation. Mit ihren Arbeiten erforschet die russisch-amerikanische Künstlerin Konzepte des Umweltschutzes, des Konsumverhaltens und des Pittoresken.
    Mehr
  • Angela Tiatia

    TUVALU

    Angela Tiatias Videoarbeit Tuvalu (2016) fängt das alltägliche Leben der BewohnerInnen von Funafuti, der Hauptinsel des Inselstaates Tuvalu, ein – vom ersten Krähen des Hahns bis zum Sonnenuntergang.
    Mehr
  • Solmaz Daryani

    The Eyes of Death

    Solmaz Daryanis fotografisches Langzeitprojekt The Eyes of Earth – The Death of Lake Urmia (seit 2014) zeigt die gravierenden ökologischen und sozialen Veränderungen in Folge der Austrocknung des Urmiasees in ihrem Heimatland Iran. Der See im Nordwesten des Landes war einst der sechstgrößte Salzsee der Erde.
    Mehr
  • Nicole Six & Paul Petritsch

    RÄUMLICHE MASSNAHME

    In der Videoarbeit Räumliche Maßnahme des KünstlerInnenduos Nicole Six & Paul Petritsch werden wir als BetrachterInnen Zeugen eines vorsätzlichen Verschwindens. Unbeirrt steht ein Mann auf der Eisfläche, schlägt ein Loch und holt immer wieder mit seiner Spitzhacke aus und wird sich - so ahnt man bald - selbst den Boden unter den Füßen wegziehen.
    Mehr
  • Michael Goldgruber

    Talschluss

    Die rund zehn Meter lange Wandinstallation zeigt Aufnahmen des Gepatschferner. Südlich oberhalb des Kaunertals gelegen, ist er der zweitgrößte Gletscher Österreichs und einer der am schnellsten schmelzenden. Innerhalb von zehn Jahren schrumpfte die Gletscherzunge um 700 Meter.
    Mehr
  • Bénédicte Kurzen

    LAKE CHAD CHRONICLES

    Die Fotografin Bénédicte Kurzen beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Machtverhältnissen in postkolonialen afrikanischen Staaten, die durch Konflikte und massive sozioökonomische Umwälzungen gekennzeichnet sind
    Mehr
  • Genoveva Kriechbaum

    The World / The Heart of Europe

    The World ist ein von Menschen erschaffener Archipel, der aus etwa 300 Inseln besteht. Vier Kilometer vor der Küste Dubais gelegen wurden dafür ab dem Jahr 2003 in etwa 34 Milliarden Tonnen Felsen und 320 Millionen Kubikmeter Sand über mehrere Quadratkilometer im Meer aufgeschüttet.
    Mehr
  • Douglas Mandry

    MONUMENTS

    Der Schweizer Künstler und Fotograf experimentiert in seiner Serie Monuments (seit 2018) mit gebrauchten Gletschervliesen vom Gurschenfirn im Gebiet Andermatt-Gemsstock und setzt sie als fotografische Bildträger ein. Mandry bedruckt die Vliese, die deutliche Spuren ihrer Verwendung auf dem Eis aufweisen, mit Fotografien von Gletscherregionen aus dem frühen 20. Jahrhundert.
    Mehr
  • Sarker Protick

    Of River and Lost Lands

    Sarker Protick fotografiert seit 2011 entlang der größten Wasserader seines Heimatlandes Bangladesch. Die stillen, unaufgeregten Fotografien sind ebenso wie die Videoarbeit Monsoon, für die der Künstler eigens ein Tonstück komponierte, von einem melancholischen Grundton durchdrungen.
    Mehr
  • Stephan Huber

    The Empire Strikes Back

    Seit jeher dienen Landkarten der Orientierung und geben Zusammenhänge preis, die aus den im Originalraum möglichen Perspektiven nicht erkennbar sind. In den großformatigen fiktiven Topografien, die Stephan Huber seit den 1990er-Jahren entwirft, findet man sich hingegen nicht zurecht.
    Mehr
  • Benoit Aquin

    The Chinese Dust Bowl

    In seiner Serie The Chinese Dust Bowl (2006–2009) dokumentiert Benoit Aquin die Versteppung riesiger Landstriche in China und deren Auswirkungen auf die lokale Bevölkerung. Die extremen Dürren in Nordchina und der Inneren Mongolei, die zu den größten Umweltkatastrophen unserer Zeit zählen, sind auf die Klimaerwärmung und auf ökologisch schädliche Aktivitäten der Menschen zurückzuführen.
    Mehr
  • Justin Brice Guariglia

    Agricultural Landscapes

    Einem objektiven und holistischen Anspruch verpflichtet, will Justin Brice Guariglia in seinen Werken die Klimakrise als globales Phänomen visualisieren. Seine Kunstwerke entstehen oft in intensiver Zusammenarbeit mit Wissenschaftler*innen und Philosoph*innen.
    Mehr
  • Christina Seely

    TERRA SYSTEMA. TEMPO

    Bei Terra Systema. Tempo (2017) findet man sich als BetrachterIn inmitten eines audiovisuellen Dialogs zwischen dem arktischen und dem tropischen Ökosystem wieder: Hier der Kreislauf des Wassers, dort die Reinigung der Luft durch das Atmungsorgan, die grüne Lunge der Erde. Christina Seely schafft durch ihre fotografische Arbeit eine Verbindung zwischen wissenschaftlichen Daten und Emotionen und für uns die Fragilität der Natur vor Augen.
    Mehr
  • Axel Braun

    Records of Loss

    In Records of Loss (2019–2020) widmet sich Axel Braun dem größten Gletscher Österreichs, der am Fuße des Großglockners gelegenen Pasterze. Auf Basis von umfangreichen Recherchen zeichnet der Künstler die Abbildungsgeschichte dieses Talgletschers nach.
    Mehr

KUNST HAUS WIEN verarbeitet Informationen über Ihren Besuch unter Einsatz von Cookies, um die Leistung der Website zu verbessern. Durch die weitere Nutzung unserer Seite willigen Sie in die Nutzung dieser Cookies ein. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutz- und Cookie-Richtlinie.